Unser tägliches Brot

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Die wöchentliche Serie «Unser tägliches Brot» erlaubt es uns, die Menschen, die für unsere Kirche arbeiten näher kennenzulernen. Wie schon letzte Woche Petra Berwert erzählt uns nun auch Daniel Brunner mehr über seinen persönlichen Bezug zu Gott und dem Glauben und das sich in seinem Leben nicht alles nur um Zahlen dreht.






«Als kleiner Junge liebte ich die schönen Geschichten in der Sonntagschule: Jona im Bauch des grossen Fisches oder der kleine David mit der Steinschleuder gegen den Riesen Goliath inspirierten meine Fantasie. Meine Tante Agnes war in Birchwil meine Sonntagschullehrerin und wenn sie erzählte, hörte ich gespannt zu und wollte definitiv auch einmal ein so grosser Held werden. Damals war ich unbeschwert und mein Glaube an Gott war kindlich. Gott war eben genau so, wie ich ihn mir vorstellte.

Seither sind viele Jahre vergangen. Nach Schulen, Studien in Ingenieurwesen und Betriebswirtschaft folgten viele intensive Berufsjahre in der internationalen Finanz- und Beratungswelt. Diese Jahre gingen an mir nicht spurlos vorüber. Mein Gottesbild bekam Risse. Auf anfängliche Irritationen folgten mehrere schmerzhafte Enttäuschungen. Dieser Gott wollte einfach nicht so funktionieren, wie ich ihn mir damals als Kind vorgestellt hatte. Eigentlich hatte ich mir einen göttlichen Selbstbedienungsautomaten gewünscht, aber in der Realität hatte ich es mit einem widersprüchlichen, aus menschlicher Sicht scheinbar vollständig unlogisch agierenden Gott zu tun. So wurde mein Glaube kompliziert. Das bisherige Fundament der einfachen Wahrheiten bröckelte.

Als junger Erwachsener hatte ich mir einmal vorgenommen, die erste Hälfte meins Lebens, das heisst so bis 40 zu arbeiten, um dann während der zweiten Hälfte meines Lebens die Möglichkeit zu haben, Gott und Menschen zu dienen und meine eigene etwas vernachlässigte kreative Seite verstärkt ausleben zu können. Kaum war ich 40, wollte ich davon nichts mehr wissen. Es lief gerade alles so gut, dass es für mich einfach fast unmöglich war, all das was ich mir so hart erarbeitet hatte, wieder loszulassen. Aber das Leben hatte mit mir etwas anderes vor. Mit 44 wurde ich abrupt gestoppt. Eine schwere Infektion führte dazu, dass ich meine Hände nicht mehr benützen konnte. Es war als ob Gott mir sagen würde: «Mach dir keine Sorgen, es kommt alles gut, aber jetzt ist für dich der Zeitpunkt für einen neuen Lebensabschnitt gekommen!»

Der Anfang des neuen Lebensabschnitts war für mich eine grosse Herausforderung. Früher sass ich im Intercity. Nun musste ich plötzlich im langsamen Bummelzug Platz nehmen und hatte unendlich viel Zeit. Ich wusste nicht wie weiter und war orientierungslos. An einem Abend sprach mich Tante Agnes, meine damalige Sonntagschullehrerin an und fragte mich, ob ich nicht ihr Mehrfamilienhaus verwalten wolle. Und so kam es: ich sattelte um, gründete mit meiner Frau Annette zusammen eine kleine Immobilienfirma und es ging langsam wieder aufwärts. Als ich dann noch Verantwortung in einem Hilfswerk übernehmen konnte und für die Kirchenpflege angefragt wurde, hatte ich das erste Mal wieder das Gefühl, angekommen zu sein.

Heute bin ich 50 und nun bereits seit fast 4 Jahren in der Kirchenpflege tätig. Ich mag die Menschen in der Kirche und fühle mich in meiner Funktion als Finanzvorstand wohl. Auch hat sich mein Glaube erneut stark verändert. Ich habe damit aufgehört, Aspekte von Gott welche sich nicht mit meinen Vorstellungen decken, krampfhaft erklären oder gar verdrängen zu wollen. Heute kann ich widrige Lebensumstände und göttliche Widersprüche viel besser als einen guten Teil meines Lebens annehmen und habe in den letzten Jahren stilles inneres Glück gefunden.»


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Bereitgestellt: 22.04.2021     Besuche: 51 Monat 
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