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Evang.-ref. Kirchgemeinde Bassersdorf-Nürensdorf; Gerlisbergstrasse 4; 8303 Bassersdorf
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Editorial
Marlis Siegrist, Sozialdiakonin, Brennpunkt Nr. 6 vom 31. Mai 2013
Kennen Sie das Fiire mit de Chliine? Dies ist mein persönlicher Geheimtipp.
Jeden Monat einmal treffen sich Familien mit kleinen Kindern und Geschwistern in der Kirche zum «Fiire mit de Chliine», das ungefähr eine halbe Stunde dauert. Im Moment führe ich allein durch diese Feiern, würde aber gerne mit andern Personen im Team arbeiten. Die Feier selbst ist eine generationenübergreifende Form von Gottesdienst. Es gibt Orgelmusik zu hören, es werden kindgerechte Lieder gesungen, gebetet und jedes Mal steht eine andere Geschichte im Zentrum. Anders als in Feiern für die Grossen sind im «Fiire mit de Chliine» immer wieder die Teilnehmenden selber aktiv. Die Einleitung wird so gestaltet, dass sich die Kinder beteiligen können und nach der Geschichte folgt eine Sequenz die zur Vertiefung des Gehörten dient und auch diese wird als aktiver Teil für die jungen Besucher vorbereitet. So bewegen sich die Kinder auch im Kirchenraum und lernen diesen kennen. Schön ist es zu erleben, wie interessiert die Kinder mitmachen und sich begeistern lassen. Mir gefällt, dass sich die Kinder auf die Feiern freuen, dass sie voller Neugier dabei sind, sich im Kirchenraum bald heimisch fühlen, die Feier geniessen und wie zufrieden die Familien jeweils nach Hause gehen. Ob Sie auch mal Gelegenheit haben teilzunehmen? Sie brauchen dazu einfach ein Kind ab ungefähr 3 Jahren, das Sie begleitet. Ich würde mich freuen.
Pfarrer Pierre-Louis von Allmen, Brennpunkt Nr. 5.2 vom 17. Mai 2013
Kritische Reflexion
Bei Veranstaltungen, an denen ich vor kurzem teilgenommen habe, wurde unter anderem die Frage diskutiert, was uns als reformierte Christen ausmacht. Meine Antwort ist sehr kurz: kritische Reflexion und Freiheit. Für mich haben diese zwei Punkte nicht an Gewicht und Aktualität verloren. Gerade weil Meldungen in den heutigen Medien blitzschnell gehen, ist kritische Reflexion, die hinterfragt und überprüft, nötiger denn je. Auch bei der Aneignung von Wissen reicht es nicht, Internet-Seiten zu konsultieren und die Infos zu ordnen. Es braucht die Freiheit, sich eine eigene Meinung über das Ganze zu bilden und diese auch darzulegen. Darum habe ich Bedenken der Art gegenüber, wie schnell und oberflächlich viele Menschen heute zu ihrem Wissen kommen. Mir fehlt ihre vertiefte persönliche Reflexion, aus der sie eine eigene Überzeugung gewinnen. Dasselbe gilt auch für ihren Glauben. Die Idee der Reformatoren war es, durch kritische Reflexion den christlichen Glauben, die Kirche und Gesellschaft zu erneuern. Und sie kämpften für die Freiheit des Individuums, selber zu denken und sich dann ganz persönlich für den Glauben zu entscheiden. Darum versuche ich in meinen Predigten, dieses selbständige Denken jeweils zu fördern. Ich bemühe mich, es in meinem Konfirmandenunterricht zu schulen. In meiner Seelsorge helfe ich den Menschen, über ihre schwierige Situation nachzudenken und eigene Antworten und Lösungen zu finden.
Pfarrer Clemens Bieler, Brennpunnkt Nr. 5 vom 26. April 2013
ZUR AUFFAHRT
Das apostolische Glaubensbekenntnis (Gesangbuch 263) erzählt die Bewegung Jesu Christi aus dem Himmel auf die Erde, ins Reich des Todes, wieder auf die Erde, zurück in den Himmel und wieder auf die Erde: Dass Christus der «eingeborene» Sohn des Vaters ist, «empfangen durch den Heiligen Geist,» bedeutet, dass er aus Gott kommt, schon immer in Gott war und mit ihm eins und gleich ist (Joh 1). Die Welt ist durch ihn und aus ihm entstanden.
Obwohl die Welt aus Gott ist, liebt sie aber die Finsternis mehr als das Licht. Sie begibt sich in eine Lage, als sei sie ausserhalb von Gott (Verlust des Paradieses). Gott kommt in die Welt hinein, um sie aus diesem Irrglauben zu befreien (Weihnachten).
Dafür begibt sich der Sohn in die Gewalt des Irrglaubens: Die Welt erkennt ihn nicht und kann seine Botschaft von ihrer eigenen Göttlichkeit nicht ertragen. Die wirksamste Methode, ihn und die Wahrheit zu beseitigen, scheint zu sein, ihn zu töten (Karfreitag).
Er, die ewige Quelle und die Kraft des Lebens, lässt dies mit sich geschehen. Er steigt hinab in das Reich des Todes und befreit dort alle, die im Irrglauben an den Tod gestorben sind, zum Leben (Karsamstag).
Der Tod hat nur Macht über die, die nicht an das ewige Leben glauben. Aus dessen Reich ersteht Jesus wieder auf und erweckt alle, die dadurch an ihn glauben, in die Realität des ewigen Lebens (Ostern).
Dann verlässt er seine irdische Erscheinung und «fährt auf» in den Himmel (Auffahrt).
Er selber ist der allgegenwärtige Himmel, die Leben schaffende Quelle, der Geist. So erweckt er zu allen Zeiten die Menschen aus der Finsternis ins Leben (Pfingsten), bis die Welt ganz in Gott zurückkehrt und Gott alles in allem ist (Ewigkeitssonntag).
Das Wesen des dreieinigen Gottes ist diese Bewegung: Er lässt die Welt aus sich heraus, kommt zu ihr und holt sie, wenn sie sich ihres eigenen Wesens bewusst ist, wieder in sich hinein (Trinitatisfest).
Esther Franel, Brennpunkt Nr. 4.2 vom 12. April 2013
Nicht die Welt macht diese Menschen, sondern diese Menschen machen die Welt.
Elfriede Hablé

Ende Juni sind Sie wieder eingeladen, an der Kirchgemeindeversammlung teilzunehmen. Sie erhalten einen Überblick, was unsere Kirche, in Franken ausgedrückt, bewirkt hat. Wenn Sie diesen Zahlen Gesichter geben, dann sehen Sie lachende und tanzende Kinder im Eltern-Kind-Singen, begeisterte Jugendliche beim Erklimmen einer Kletterwand, glückliche Senioren beim Geniessen eines Theaternachmittages, verliebte Paare in Hochzeitskleidern – umringt von ihren Familien und Freunden, strahlende Grosseltern am Taufgottesdienst ihres Enkels, Jugendliche voller Elan, welche ihren Konfirmations-Gottesdienst vorbereiten und ins Erwachsenenleben treten, aber auch tieftraurige Menschen, die den Tod eines geliebten Angehörigen betrauern und froh sind, in diesem schweren Moment Unterstützung und Hilfe durch den Pfarrer zu erfahren. Und die Liste geht noch weiter mit vielem, was die Kirche bewirkt.

An dieser Kirchgemeindeversammlung werden aber auch die Vergabungen für das Inland besprochen. Wie können wir stolz sein, dass wir trotz der grossen Auslagen für unseren neuen, nützlichen Zentrumsbau in Nürensdorf noch eine beachtliche Summe für die Hilfe im Inland aufwenden wollen. Die Kirchenpflege möchte gerne eine kleine reformierte Kirchgemeinde im Wallis, direkt am Genfersee, unterstützen. In Le Bouveret musste die Kapelle renoviert werden und zudem wünscht sich die Kirchgemeinde ein kleines Begegnungszentrum. Bis anhin wurde der Apéro nach dem Gottesdienst im Sommer und Winter, draussen ausgeschenkt. Das soll sich jetzt ändern. Bei unserem Besuch in Le Bouveret konnten wir nur über den Elan staunen, mit dem die Kirchenmitglieder die Kapelle leergeräumt haben und die Bänke poliert sowie lackiert haben. Rund 700 Arbeitsstunden wurden von freiwilligen Helfern aus der Gemeinde eingesetzt, um die Kosten, wo möglich, einzuschränken. Die Kapelle strahlt und lädt zum Gottesdienst ein. Jetzt steht der Neubau eines kleinen Saales an. Daran möchten wir uns beteiligen.
Denn – Menschen machen die Welt!
Ich bin stolz, einer Kirchgemeinde anzugehören, die anderen Menschen hilft, ihre Welt besser werden zu lassen.
Katharina Berweger, Sozialdiakoin, Brennpunkt Nr. 4 vom 28. März 2013
Frühlingserwachen
Während dem Schreiben dieses Editorials zeigen Schneeresten und zäher Hochnebel, dass der Winter noch nicht ganz durchgestanden ist. Vor kurzem ist mein lieber Vater gestorben. Dieser schmerzliche Verlust passt zu diesen trüben Tagen. Wie viele Menschen ersehne ich mir den baldigen Frühling. Zwar kann der Frühling auch nicht alles heilen oder Menschen aus dem Tod zurück bringen. Aber unter der warmen Sonne erwacht die Pflanzen- und Tierwelt zu neuem Leben und will uns Menschen mit diesem «Frühlingszauber» anstecken. Mein Gemüt und meine ganze Person wartet auf die Schönheit der erblühenden Natur mit ihren vielfältigen Düften. Die Schatten des Schmerzes sollen durch Gottes Schöpfermacht in neue Hoffnung und Lebendigkeit umgewandelt werden. Ums Thema «Tod und Leben» geht es auch bei den bevorstehenden christlichen Feiertagen von Karfreitag und Ostern. Die jetzige Passionszeit gipfelt bei Jesus Christus, der den ganzen Weltschmerz bis zum Kreuzestod auf sich genommen hat – zu unserem Heil. So wie der Winter nicht endgültig ist, so ist auch der Tod nach Gottes Wort nicht das Letzte. Ostern ist der Auferstehungstriumph. Das Leben und die Liebe Gottes siegen mitten im Dunkeln. Jesus spricht: «Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben» (Johannesevangelium, Kap. 11, 25-26). Diese frohe Osterbotschaft tröstet mich mit dieser ewigen Lebensperspektive.
Ian Grant, Jugendarbeiter, Brennpunkt Nr. 3.2 vom 8. März 2013
Als ich ein Junger war, war Weihnachten meine Lieblingsjahreszeit. Aber jetzt ist die Aufregung vorbei und Weihnachten hat für mich mehr zu tun mit Familie, englischem Essen und dem unendlichen Gelächter meiner jüngeren Schwester und meinen Cousins. Weihnachten ist trotzdem eine bedeutungsvolle und positive Zeit, aber als Christ habe ich Ostern immer sehr besonders und wichtig gefunden. Es ist eine Feier, die uns an Jesus‘ grosse Opfer erinnert. Ich finde, für alle ist Ostern eine grosse Thematik, egal ob man ein Kind oder ein Erwachsener ist. In meiner Rolle als Jugendarbeiter beschäftige ich mich jeden Tag mit diesem Thema. Ich habe durch meine Arbeit mit vielen jungen Leuten in der Schweiz und in England gesprochen. Viele sagen, dass die Kirche und der christliche Glauben irrelevant oder gegenwartsfremd sind. Aber ist das eigentlich so? In diesem neuen Zeitalter mit Technologie, populären Medien, Reichtum und grossem Karrieredruck ist es wichtig für junge Leute die Realität und die eigene Identität herauszufinden. Ich glaube, dass uns Jesus durch sein Leben und seinen Tod gezeigt hat, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Die Frage ist nicht «warum ist der christliche Glaube irrelevant?», sondern «wie kann die Kirche junge Leute begeistern und integrieren?». Ich glaube, wir können die Lösung in der Ostergeschichte finden. Jesus hat uns durch seine Liebe gerettet, deshalb müssen wir uns zuerst auch mit Liebe füllen, damit wir junge Leute erreichen.
Marlis Siegrist, Sozialdiakonin, Brennpunkt Nr. 3 vom 22. Februar 2013
Im November erfuhr ich an einer Sitzung: Am 19. Januar 2013 wird eine gemeinsame Veranstaltung der katholischen und reformierten Kirchgemeinde geplant. Im Laufe der Vorbereitungen wurde mir klarer, es sollte mit diesem Anlass versucht werden zu erfahren, welche ökumenischen Angebote gewünscht werden und was die Menschen so begeistern könnte, dass sie sich selber in einer mehr oder weniger intensiven Form dafür engagieren werden. Wir arbeiteten in kleinen Teams und immer war die Frage zu hören: Hat jemand zugesagt? Gewissheit hatten wir keine. Wir planten Gruppenarbeiten und frotzelten manchmal wir würden uns dann halt gegenseitig besuchen. Als Gesamtteam fühlten wir uns je länger je mehr in einem Boot und steuerten unsere Vorbereitungen mit gutem Schub Richtung Impulstag. Dann war der Tag da. Es war ein Stuhlkreis mit dreissig Stühlen bereitgestellt. Würden sie sich füllen? Es mussten zweimal Tische beiseitegeschoben und weitere Stühle in den Kreis gestellt werden! Unser aller Freude war gross, dass sich mehr als 50 Personen einfanden, um mit uns zu überlegen, wie Ökumene in Bassersdorf sich in die Zukunft entwickeln könnte. Für mich ist es eine grosse Freude, an diesem ersten grossen Projekt in der neuen Kirchgemeinde mitgearbeitet zu haben. Es war ein Mut machender Anlass mit all den froh gestimmten Menschen, die gemeinsames entdeckten, die Interesse zeigten und sich auch mehr vorstellen können.
Pfarrer Pierre-Louis von Allmen, Brennpunkt Nr. 2.2 vom 8. Februar 2013
«Zeig mir dein Gesicht!»
In diesen Tagen beginnt für viele Menschen, nicht nur in Bassersdorf, die schönste Jahreszeit: die Fasnacht. Ihr Reiz und ihre Faszination liegen für sie darin, dank einem Kostüm in einer anderen Haut zu stecken, sich hinter einer Maske oder einer ausgefallenen Schminke zu verbergen. Trotzdem drücken sich die Fasnächtler weiter aus: Je nach Kostüm, Maske oder Schminke wollen sie ausgelassene Freude wecken, faszinieren, Lachen oder sogar Angst auslösen. Nicht nur bei den aktiven Teilnehmern an der Fasnacht sieht man verschiedene «Masken». Sondern jeder einzelne Mensch hat das ganze Jahr durch verschiedene Gesichter, je nach Stimmung, je nach Bedürfnis, sich zu verstecken oder sich zu öffnen, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen oder sich von ihnen abzuwenden. Auch Gott hat verschiedene Gesichter. Das haben die Menschen schon im alten Israel geglaubt, obwohl es heisst, dass Gott unsichtbar ist. Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren wollen auch heute Gott spüren, mit ihm reden und dann je für sich ihre eigenen Erfahrungen mit ihm machen. Dabei erleben sie, dass Gott nicht eine starre, keine Miene verziehende Maske trägt, keine unbewegte und unbewegliche Statue ist. Für sie lebt er, bewegt sich und verändert sich. Er teilt sich den Menschen mit, so dass wir ihn verstehen können. Er zeigt uns sein Gesicht, wie er es der ganzen Welt in Jesus Christus gezeigt hat. Er zeigt uns, wer er wirklich ist: LIEBE.
Pfarrer Urs Naef, Brennpunkt Nr. 2 vom 25. Januar 2013
Lernen mit John
Mit 22 reiste ich in den Süden und polierte in einer Halbtagesschule meine Fremdsprache auf. Junge Leute, multikulturell, sassen mit demselben Ziel in den Klassen. Aber da gab es noch John. Engländer war er und alt, in unseren Augen. Und doch wieder jung. Noch als Pensionierter besass er den Übermut, eine Sprache zu lernen, die er doch kaum brauchte. Wie wir genoss er den hellen Frühling, ass mit uns draussen, rauchte zum Wein und formte seine Sätze in fremden Lauten, wie wir. Er gehörte zu uns, viele Wochen lang. Wenn ich mal Senior bin, mach ich das auch, denke ich seit damals: etwas Junges, was das Lebensgefühl der Generationen durcheinander bringt. Ich glaube, dass wir so mehr voneinander haben, uns besser verstehen. Und wenn ich solche Überschreitungen, Zeichen zerfliessender Grenzen zwischen den Lebensaltern sehe, muss ich gelegentlich schmunzeln. Schrille alte Damen im Fernsehen, die aufs Alter pfeifen. Junge Männer, die jetzt Mützen und Hütchen tragen wie früher die «Bäpple». Gut, dass heute so viel möglich ist. Als Theologe denke ich an das fünfte Gebot: Ehre Vater und Mutter, damit du lange lebst im Land. Weit gefasst: Alte, Mittlere und Junge gehören zusammen, teilen Erleben und Ergehen. Wie das neue Gerät funktioniert, wie das alte Rezept lautet und der Onkel die Bäume schneidet, muss zwischen den Leuten hin und her im Land. Was unsere Jungen und die Betagten im Bächli ausgetauscht haben, lesen Sie in diesem brennpunkt. Beeindruckend. Lernen wie mit John.
Pfarrer Clemens Bieler, Brennpunkt Nr. 1.2 vom 11. Januar 2013
Am 19. Januar treffen sich alle, die daran interessiert sind, um sich darüber auszutauschen, wie wir in unseren Gemeinden vom Leben und den Erfahrungen der jeweils anderen Konfession profitieren können. Bisher sind es nur die Reformierten und die Katholiken, aber wer weiss, vielleicht kommen eines Tages auch andere Konfessionen oder sogar Religionen dazu. Was ist der Gewinn davon? Für mich ist es immer interessant, die katholische Sichtweise auf Gott, Christus, die Menschen, das Gebet usw. kennenzulernen. Gelegenheit dazu habe ich, wenn ich mit katholischen Kollegen einen gemeinsamen Gottesdienst vorbereite. Bisher hatte ich dabei den Eindruck, dass für viele Katholiken Gott in den einzelnen Handlungen der Messe viel realer präsent ist, als es der durchschnittlichen protestantischen Frömmigkeit entspricht. Reformierte Gottesdienste wirken manchmal so, als seien sie mehr ein Nachdenken über Gott als eine Feier seiner aktuellen Gegenwart. Nicht vergessen werde ich einen katholischen Priester, der bei einer Eucharistiefeier in einem Spital mit solcher Hingabe und Versenkung den Kelch auswischte, dass es mich und die anderen Anwesenden in einen Zustand versetzte, für den ich kein besseres Wort finde als Ergriffensein vom Heiligen Geist. Jede Konfession hat ihre Vorzüge, und jeder hat gute Gründe seiner und nicht der anderen Konfession anzugehören. Aber wenn wir davon ausgehen, dass Gott sich den Menschen mitteilt und die Menschen die Gabe haben, diese Mitteilung aufzunehmen, müssen wir auch davon ausgehen, dass sich verschiedene gültige Formen der Frömmigkeit herausbilden. Sie alle haben ihren wahren Kern und können trotzdem nicht alleine das ganze Spektrum der Wirklichkeit Gottes abbilden. Wenn wir sie kennenlernen, können wir nur gewinnen.